Weiterführende methodische Hinweise

Hier finden Sie weitere Hinweise zur Datenanalyse. Wenn Sie Fragen oder Anregungen haben, melden Sie sich gern unter info@kabinettwatch.de.

Wie funktioniert das Vorhersagemodell?

Das Modell unser Prognose besteht aus drei Komponenten: (1) mediale Identifikation von "Paarungen" (Person + Ressort), (2) individuelle Merkmale der Person und (3) spezifische Eigenschaften der Verhandlungsdynamik über den Zeitverlauf.

  1. Zunächst werden die Anzahl der Meldungen pro Tag, bezogen auf Personen und Parteien sowie Ressorts, analysiert und hinsichtlich der Gesamtzahl aller Meldungen sowie der genannten Personen und der genannten Ressorts gewichtet. Daraus ergibt sich eine relative mediale Aufmerksamkeit für jede "Paarung" (Person bzw. Partei + Ressort).
  2. Die Auswahl der individuellen Merkmale der Personen basiert auf dem Modell von Fleischer/Seyfried 2015 und beinhaltet eine Kombination additiver Indizes zur Messung der individuellen beruflichen Erfahrung in legislativen Positionen, in exekutiven Ämtern und in Parteiämtern sowie das Geschlecht, der höchste Bildungsabschluss und das Alter. Es wird jeweils die gesamte berufliche Laufbahn bis vor der Bundestagswahl betrachtet.
  3. Die Verhandlungsdynamik beinhaltet Maßzahlen zum Eintrittszeitpunkt der Personen in die mediale Debatte um Ministerämter sowie die Größe des "Pools an ministeriablen Kandidatinnen und Kandidaten" zu diesem Zeitpunkt. Zusätzlich wird der Konfliktgrad um die Besetzung des bzw. der Ressorts gemessen, für das bzw. die jede Person gehandelt wird. Es wird hierbei jede "Paarung" getrennt betrachtet, da eine Person mit verschiedenen Ministerien assoziiert werden kann. Dabei berücksichtigen wir, ob die konkurrierenden Personen um ein Ministeramt derselben oder einer anderen politischen Partei angehören.

Für ausführlichere Darstellungen zu dem Aufbau und der Güte des Modells unserer ex post Analyse (welche Personen waren erfolgreich und warum), die die Signifikanz der individuellen sowie verhandlungsdynamischen Erklärungsfaktoren nachgewiesen hat, empfehlen wir die Lektüre unseres Fachzeitschriftenartikels (hier).

Aus diesen drei Komponenten wird ein Vorhersagemodell geschätzt, welches die Wahrscheinlichkeit angibt, dass die Person ein Ministeramt erhält und im nächsten Bundeskabinett sein wird (Kabinett-Radar) sowie dass die Person tatsächlich genau das mit ihr assoziierte Ressort erhält (Ressort-Radar).

Was haben die früheren Sondierungen und Koalitionsverhandlungen (auch das Scheitern der "Jamaika"-Sondierungen) mit den aktuellen Prozessen zu tun?

Die Berechnung von Modellen erlaubt es Prognosen für die Zukunft vorzunehmen. Insofern ist das von Fleischer/Seyfried (2015) entwickelte Modell ein Bestandteil, um Schätzungen über Personen vorzunehmen, die für die Übernahme von Ministerämtern medial diskutiert werden. Die Prognose wird ergänzt um weitere Informationen, die sich aus der Forschungsliteratur über Koalitionsverhandlungen, Ministerauswahl und die Struktur der deutschen Regierungsorganisation ergeben (siehe hier). Diese drücken sich zum Teil in Gesetzmäßigkeiten aber auch in Detailinformationen aus, die dazu genutzt werden können, die Chance abzuwägen, mit denen Personen ein Ministeramt im Bundeskabinett erhalten.

Die Durchführung einer zweiten Sondierungsrunde mit einer neuen Parteienkonstellation nach dem Scheitern einer ersten Sondierung (wie aktuell der Fall) könnte einen Einfluss auf die Dynamiken in der Verhandlung um Ministerposten haben. Allerdings hat es einen solchen Fall auf Bundesebene bislang nicht gegeben und somit lassen sich keine plausiblen Schätzer in das Modell integrieren, um diesen möglichen Effekt zu berücksichtigen. Wir können erst nach Ende der Regierungsbildung ein Modell schätzen, um zu analysieren, ob es einen solchen Effekt gab und wenn ja, wie er sich auf die Wechselbeziehungen im Wettbewerb zwischen Personen, Parteien und Ressorts ausgewirkt hat.

Was bedeutet "tägliches Update" der Daten?

Wir sammeln sämtliche relevante Meldungen jedes Tages von 00.00h bis 23.59h und generieren damit das Modell bzw. die Werte in den Darstellungen. Daher werden jeden Vormittag die Daten und Graphiken auf dieser Webseite aktualisiert, sie beinhalten dann jeweils den Stand der Diskussion bis Mitternacht des vorherigen Tages.

Warum ist Frau X oder Herr Y nicht in der Analyse?

Wir können nur jene Personen in die Analyse aufnehmen, die in unserer Datenquelle auch als Kandidatinnen und Kandidaten für ein Ministeramt genannt werden. Möglicherweise taucht diese Person aber demnächst in der Quelle auf und wird damit Teil unserer Analyse.

Das Medium ABC hat ein ganz anderes Kabinett vorhergesagt, dessen Namen tauchen hier nicht auf?

Grundsätzlich haben Medien unterschiedliche Recherchemethoden und Quellen, insbesondere bezüglich der Inhalte vertraulicher Sondierungsgespräche und Koalitionsverhandlungen. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass sie im Rahmen ihrer Berichterstattung über diese Prozesse auch andere Namen als potentielle künftige Ministerinnen und Minister nennen. Diese tauchen nur dann nicht in unserer Analyse auf, wenn das entsprechende Medium nicht zu den von uns untersuchten Print- und Onlinemedien bzw. Nachrichtenagenturen gehört bzw. wenn selbige das Medium und dessen Berichterstattung nicht aufgegriffen haben (und diese Nennungen bzw. Paarungen somit nicht in unserer Datenquelle erwähnt werden).