von Prof. Dr. Julia Fleischer und Dr. Markus Seyfried

Während der Koalitionsverhandlungen wird regelmäßig bekräftigt, dass zunächst über die Inhalte verhandelt wird, bevor man sich Ämtern und Personen widmet. Allerdings ist das Erreichen politischer Ziele in der Regierungsarbeit untrennbar mit den formalen Zuständigkeiten der Bundesministerien verknüpft. Deshalb geht es in Sondierungen und Koalitionsverhandlungen nicht nur darum, welche Partei welche politischen Ziele im Koalitionsvertrag durchsetzen kann. Sondern es geht auch darum, welche Partei welches Ministerium besetzen darf und welche Person künftig am Kabinettstisch Platz nehmen wird.

Wir haben auf Basis aller Koalitionsverhandlungen auf Bundesebene seit der Bundestagswahl 1980 ein Vorhersagemodell für die Wahrscheinlichkeit entwickelt, mit der eine in der medialen Debatte diskutierte Person auch tatsächlich das mit ihr assoziierte Ministeramt erhält. Die Erklärungsfaktoren basieren auf politik- und verwaltungswissenschaftlichen Erkenntnissen zu Koalitionsverhandlungen und Ressortzuschnitten (z.B. Müller/Strøm 1999; Fleischer/Seyfried 2015) sowie zur Stabilität und Flexibilität der Struktur der Bundesministerien (SOG-PRO Projekt, Fleischer et al. 2017). Mögliche Auswirkungen des Scheiterns der "Jamaika"-Sondierungen lassen sich für unser Vorhersagemodell nicht plausibel schätzen. Wir werden nachträglich untersuchen können, ob und wenn ja welche Effekte es gegeben hat. Weiterführende Hinweise zum methodischen Vorgehen finden sich hier.

Kabinett-Radar

Wie wahrscheinlich ist die Person im nächsten Bundeskabinett?

Diese Darstellung zeigt die prognostizierte Wahrscheinlichkeit für jede diskutierte Person, Mitglied des nächsten Bundeskabinetts zu sein. (Eine Lesehilfe zum Verständnis der Wahrscheinlichkeitswerte findet sich hier).

Hinweis: Die Darstellung wird täglich aktualisiert, daher wird die x-Achse (Datum) fortlaufend angepasst. Es lassen sich beliebig viele Namen an- und ausschalten.

Ressort-Radar

Wie wahrscheinlich wird die Person das jeweilige Bundesministerium leiten?

Um aufzuzeigen, welche Ministerien besonders strittig innerhalb und zwischen den Parteien sind, berechnen wir für jeden Tag die Wahrscheinlichkeit, dass die diskutierte Person auch das entsprechende Ministerium leiten wird. (Eine Lesehilfe zum Verständnis der Wahrscheinlichkeitswerte findet sich hier).

Hinweis: Die Darstellung wird täglich aktualisiert, daher wird die x-Achse (Datum) fortlaufend angepasst. Es lassen sich beliebig viele Namen an- und ausschalten.

Graphik der Woche

Die neue Graphik der Woche befasst sich mit der Frage, wie alt die derzeit gehandelten Personen im Rennen um das Kabinett sind. Weitere Details und Erläuterungen finden sich hier.

Graphik der Woche

Woher stammen die Daten?

Wir führen täglich eine Inhaltsanalyse der Berichterstattung in über 20 überregionalen deutschen Print- und Onlinemedien sowie der Meldungen von drei Nachrichtenagenturen im deutschsprachigen Raum durch. Dabei werden alle Nennungen von Personen für Ministerämter und das ggfs. assoziierte Ministerium erfasst. Eine solche Querschnittsanalyse betrachtet Medien mit größtmöglichem Leserkreis und wir können eine potentielle Verzerrung der Ergebnisse aufgrund der Ausrichtung einzelner Medien auf ihre Stammleserschaft vermeiden. Die Kombination von Print- und Onlinemedien sowie Tickermeldungen erlaubt es zudem, die Nennungen der künftigen Kabinettsmitglieder bzw. des Ressortzuschnitts im Tagesverlauf zu messen. Die automatisierte Kodierung erfasst dabei, welche Personen bzw. Parteien mit welchen Ressorts assoziiert werden.

Wer steckt hinter diesem Projekt?

Die erste Idee zu diesem Projekt entstand in 2009, die wissenschaftliche Analyse zu Koalitionsverhandlungen und Ministerauswahl auf Bundesebene seit 1980 wurde in der internationalen Fachzeitschrift Party Politics veröffentlicht (Fleischer/Seyfried 2015). Seit dem Sommersemester 2017 lehrt und forscht Julia Fleischer an der Universität Potsdam und hat dort zusammen mit Markus Seyfried die Aktualisierung der Daten für das Schätzmodell vorgenommen.
Seit Mittwoch, 01.11.2017, hat das Projekt den Fortgang der medialen Diskussion um "Wer wird was im Bundeskabinett" begleitet. Aufgrund des Scheiterns der Sondierungen zwischen CDU, CSU, FDP und B90/Die Grünen bezieht sich die aktuelle Datenanalyse auf den Fortgang der Debatte seit Montag, 21.11.2017, dem Tag nach dem offiziellen Abbruch der "Jamaika"-Sondierungen.
Die Datenanalyse läuft bis zum Tag der Kabinettsvereidigung.

Haben Sie Anregungen oder Fragen?

Wenn Sie Anregungen oder Fragen haben, melden Sie sich gern unter info@kabinettwatch.de. Wir weisen darauf hin, dass die Datengewinnung automatisiert verläuft und wir weder Personen hinzufügen noch entfernen können (sie werden Teil der Analyse, wenn sie in der Datenquelle auftauchen).